MANTIS

safari music

Mit safari music entwickelt MANTIS Musik, die sich kritisch mit Fragen zu kultureller Authentizität, Aneignung und Interpretation von Kultur auseinandersetzt und diese sinnlich und klanglich vielschichtig beantwortet. Das kleinorchestrale Sextett verbindet Klänge aus einer urbanen Dichte mit denen einer ruralen Einfachheit. Die Gruppe ist durch sechs ausdrucksstarke Musikerpersönlichkeiten besetzt, um meine modulare Kompositionen jedes Mal im Moment zu vervollständigen und sie lebendig und offen für neue Einflüsse zu behalten, ohne sie in eine stilistische Ecke zu drängen. Sie verbindet die improvisatorischen Möglichkeiten eines kammermusikalischen Ensembles mit der Kraft und dem Schub einer Big Band.

Folkloristische Melodien schweben über mehrdeutigen Beats, atonale Klänge reiben sich an einfacher Harmonie und ein komplexer Fluss zieht sich durch alle Stücke. Verschlungene Linien greifen ineinander über und finden ihren Weg in galaktische Welten wo Improvisation und Energie den Ton angeben. MANTIS erforscht die Grenze zwischen musikalischer Genese und Aneignung.

 

Der Titel  safari music dient hier als Metapher. Der verklärte Begriff Safari (zaˈfaːri, vom Arabischen سفر, safar ‚Reise‘) wird mit der Entdeckung, Sichtung und Inbesitznahme, teilweise sogar mit der Tötung des Exotischen, Wilden und Unzähmbaren assoziert. Dessen Entwendung und die spätere Zurschaustellung dienen als Trophäe des Bezwingers (heutzutage im besten Falle eine Photographie eines Elfanten), bedingen aber keine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Objekt und dessen kultureller Bedeutung. Sowohl natürliche Objekte (Hörner, Felle, etc.) als auch rituelle oder kulturelle Ojekte (Statuen, Rythmen, Tänze, usw.) werden tagtäglich entwendet, transportiert, ihr Sinn wird verzerrt und ihre Funktion verändert. Ihr Faszinosum ist echt, aber seine ursprüngliche Funktion geht verloren. Was bedeutet es für mich als europäischer Musiker einen südindischen Tempelrythmus zu spielen? Wie kann ich ihm hier eine neue Funktion geben, ohne seine ursprüngliche Funktion ausreichend zu kennen, sie aber trotzdem zu respektieren?

Vor dem Hintergrund der Diskussion über kulturelle Autethizität, interkulturellen Austausch und Entwicklung spielt MANTIS mit den aufgeworfenen Fragen zu unserer Art der Wahrnehmung, Aneignung und Interpretation von Musik und Kultur.

Line Up:

Lukas Mantel drums & composition

Travis Reuter guitar

Matthias Spillmann trumpet & flugelhorn

Rafael Schilt tenor sax & clarinet

Max Petersen fender rhodes

Lukas Traxel double bass